{"id":187,"date":"2018-01-01T21:09:10","date_gmt":"2018-01-01T20:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brahmscompetition.org\/wp\/?page_id=187"},"modified":"2020-02-24T11:41:02","modified_gmt":"2020-02-24T10:41:02","slug":"johannes-brahms-in-poertschach","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.brahmscompetition.org\/?page_id=187","title":{"rendered":"Johannes Brahms in P\u00f6rtschach"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p class=\"textbody\">Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Drei\u00dfiger Jahre des 20. Jahrhunderts war der W\u00f6rthersee ein besonders wichtiges kulturelles Zentrum. Vor allem im Sommer trafen sich Kunstschaffende, M\u00e4zene und k\u00fcnstlerisch begeisterte Amateure an den Gestaden des W\u00f6rthersees. Auch wohlhabende Wiener, wie Wahliss und Lobmeyr, Inhaber ber\u00fchmter Porzellanmanufakturen, oder Dr. Karl Kupelwieser (Sohn des Wiener Malers Leopold Kupelwieser), verheiratet mit Bertha, geborene Wittgenstein, haben P\u00f6rtschach zum Ziel ihrer Sommerfrische auserkoren und hier ihre herrlichen Villen erbauen lassen.<\/p>\n<p class=\"textbody\">Es waren jedoch die Komponisten, die der W\u00f6rthersee Region ihren klangvollen Namen gaben. Eine Vielzahl international bedeutender, ja epochemachender Werke wurden hier geschaffen. So schrieb z.B. Gustav Mahler mehr als die H\u00e4lfte seiner Symphonien in K\u00e4rnten, Alban Berg verbrachte seine entscheidenden kompositorischen Jahre in Auen bei Velden, und Johannes Brahms verbrachte die Sommermonate der Jahre 1877 bis 1879 in P\u00f6rtschach am W\u00f6rthersee.<\/p>\n<p class=\"textbody\">\u201eP\u00f6rtschach am See hei\u00dft unser Ort, die Eisenbahnstation hei\u00dft Maria W\u00f6rth. Hier ist es allerliebst, See, Wald, dar\u00fcber blauer Bergebogen, schimmerndes Wei\u00df im reinen Schnee, Krebse gibt es massenhaft. Das Wirtshaus hei\u00dft Werzer, das Beste n\u00e4mlich und behaglichste, denn es gibt mehrere &#8230;\u201c<\/p>\n<p class=\"textbody\">So schrieb der 44j\u00e4hrige Brahms, schon auf der H\u00f6he seines Ruhmes angelangte Meister, als er 1877 seinen ersten Sommeraufenthalt in K\u00e4rnten nahm. Herz und Sinne gingen ihm auf, als er diesen schimmernden Vorgarten Italiens zum ersten Male betrat, und gibt seiner frohen \u00dcberraschung fast in jedem Briefe Ausdruck.<\/p>\n<p class=\"textbody\">\u201eF\u00fcr k\u00fcnftige Sommer empfehle ich Euch die hiesige Gegend!<br \/>\nIch meinesteils gehe auch im Sommer k\u00fcnftig nicht ohne besonderen<br \/>\nGrund aus \u00d6sterreich hinaus!\u201c (an Dessoff)<\/p>\n<p class=\"textbody\">Im Jahre 1877 bezog er zwei kleine Zimmer der Hausmeisterwohnung im Schloss. Gewiss h\u00e4tte Brahms seinen P\u00f6rtschacher Sommeraufenthalt in der engen Hausmeisterwohnung \u2013 sie kostete nur 30 Gulden \u2013 mit Vergn\u00fcgen absolviert, wenn er nicht den musikalischen major domus des herrschaftlichen Schlosses h\u00e4tte darin abgeben m\u00fcssen. Er siedelte 1878 in das jenseits der Stra\u00dfe, n\u00e4her dem See gelegene Krainerh\u00e4uschen \u00fcber, wo er auch 1879 den ganzen ersten Stock mietete, um ungest\u00f6rt zu bleiben. Zwar musste er das Achtfache bezahlen, daf\u00fcr war er aber vor den unmittelbaren Attacken seiner liebensw\u00fcrdigen Qu\u00e4lgeister (Baronin von Pausinger, Fr\u00e4ulein Postdirektor Antonia Christl u.a.) gesichert und konnte sich ihrer Kontrolle entziehen. Denn mehr als die Kreuzottern in dem ber\u00fcchtigten Schlangennest der Ruine Leonstein f\u00fcrchtete er die mit Palette und Malstuhl im Geb\u00fcsch lauernde Baronin, und lieber als ein Rendezvous mit dem auf Rehe pirschenden Freiherrn war ihm eine Begegnung mit dem Geiste des Moosburger Karlmann oder ein Stelldichein mit der singenden und tanzenden Wasserfee des wild einsamen Worstniggsees (Forstsee am Techelsberg), die er so sch\u00f6n in seinem h-moll Capriccio (op.76, Nr. 2) komponierte.<\/p>\n<p class=\"textbody\">Von seiner zweiten P\u00f6rtschacher Wohnung aus konnte er in aller Fr\u00fche, so wie ihn Gott geschaffen hatte, in den See steigen, was ihm ein ganz besonderes Vergn\u00fcgen machte. Zwischen vier und f\u00fcnf Uhr nahm er sein selbstbereitetes Fr\u00fchst\u00fcck ein und verlief sich dann mit den ersten Sonnenstrahlen in der labyrinthischen gr\u00fcnen Nacht des Bann- und Klosterwaldes, der wie das Schloss, seit 1816 dem Benediktinerstifte St. Paul im Lavanttale geh\u00f6rte. Am Stammtische des Werzerschen Wirtsgartens erledigte er am Nachmittage seine gesch\u00e4ftlichen Angelegenheiten und ruhte am Abend unter den Erlen der Seewirtschaft Resian aus, wo ihm seine Tischgenossen, Ingenieur Miller, einer der \u00e4ltesten Villenbesitzer, der Ortsarzt Dr. Leopold, Staatsanwalt Dr. Semmelrock, Dr. Hei\u00df, der Klagenfurter Gerichtspr\u00e4sident, und Hotelier Werzer k\u00e4rntnerische Volkslieder singen mussten.<\/p>\n<p class=\"textbody\">Das P\u00f6rtschacher Triennium ist einer der ertragsreichsten Abschnitte im Leben des Komponisten gewesen. Mit Ausnahme der ebenfalls in diese Zeit geh\u00f6renden, aber im Februar 1878 in Wien geschriebenen \u201eWalburgisnacht\u201c und der drei anderen, in op.75 enthaltenen Balladen und Romanzen, sowie der Motette \u201eO Heiland, rei\u00df\u00b4 die Himmel auf\u201c, die auf fr\u00fchere Tage zur\u00fcckgehen, sind s\u00e4mtliche Werke von op.73 \u2013 79 in P\u00f6rtschach komponiert worden: die Zweite Symphonie, die Motette \u201eWarum ist das Licht gegeben den M\u00fchseligen?\u201c, f\u00fcnf von den acht Klavierst\u00fccken op. 76, das Violinkonzert, die G-dur Sonate f\u00fcr Pianoforte und Violine, die \u201eZwei Rhapsodien\u201c und \u201eStudien\u201c f\u00fcr das Pianoforte und die neue Folge der \u201eUngarischen T\u00e4nze\u201c. Die Kraft ihrer bl\u00fchenden Erfindung wie die vollendete Meisterschaft und der Reichtum ihrer Formen stellen sie in die vorderste Reihe der Brahmsschen Sch\u00f6pfungen.<\/p>\n<p class=\"textbody\">Brahms gedachte gern seiner P\u00f6rtschacher Sommer und er schrieb 1890 von Ischl an seinen Freund und Biograph Max Kalbeck nach Maria W\u00f6rth: \u201eGefreut aber hat mich und meine Gedanken angenehm besch\u00e4ftigt Ihre Adresse. Sch\u00f6ne Sommertrage kommen mir in den Sinn und unwillk\u00fcrlich Manches, mit dem ich dort spazieren ging, so die D-dur Symphonie, Violinkonzert und Sonate G-dur, Rhapsodien und derlei. Und lebt denn der alte Hausschild noch? N\u00e4mlich der alte, h\u00f6chst lustige und frivole Pfaffe dort? Sein Lachen h\u00f6rte man \u00fcber den See (buchst\u00e4blich) und seine sehr schlimmen Witze bis Wien\u201c&#8230; (Unter Hausschild ist Haudegen, Draufg\u00e4nger zu verstehen. Philipp Kointsch war von 1864 \u2013 1889 Pfarrer in Maria W\u00f6rth.)<\/p>\n<p class=\"textbody\">Die Aufgabe der Johannes-Brahms-Gesellschaft P\u00f6rtschach besteht darin, die kulturelle Identit\u00e4t des W\u00f6rthersee Gebietes im Sinne einer Ankn\u00fcpfung an die historischen Wurzeln wiederzubeleben und ein Ort internationaler kultureller Begegnung zu sein, wof\u00fcr mit dem Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb und den Preistr\u00e4gerkonzerten eine ideale Plattform geschaffen wurde.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Drei\u00dfiger Jahre des 20. Jahrhunderts war der W\u00f6rthersee ein besonders wichtiges kulturelles Zentrum. Vor allem im Sommer trafen sich Kunstschaffende, M\u00e4zene und k\u00fcnstlerisch begeisterte Amateure an den Gestaden des W\u00f6rthersees. 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